Man ist in Alcúdia immer etwas neidisch auf Mallorcas Hauptstadt Palma. Und das nicht ohne Grund. Denn Alcúdia galt in früheren Zeiten als die wichtigere von beiden Städten. Das lag einerseits an der natürlichen Lage, die den Mittelpunkt zwischen den beiden Mallorca begrenzenden Höhenzügen Sierra de Tramuntana und Serranias de Levante bildet – und zum anderen daran, dass sie den Angelpunkt zwischen den beiden Buchten von Pollensa und Alcúdia bereits in der frühhistorischen Talayot-Zeit besiedelt war. Die verkehrsgünstige Lage des Ortes zwischen den heutigen Buchten von Pollensa und Alcúdia nutzten danach auch die Phönizier, die den Ort Cunium nannten, und die Griechen.
Als die Überfälle mallorquinsicher Freibeuter auf römische Handelsschiffe überhandnahmen, setzte sich Rom zu Wehr. 123 v. Chr. landete Quintus Cäcilius Metellus mit seinen Kriegsschiffen in der Bucht von Alcúdia und konnte im Handstreich die ganze Insel besetzen. Die Römer nannten ihren Landeplatz Pollentia, was so viel bedeutete wie “die Mächtige” oder “die Starke”, und machten ihn zu ihrer Hauptstadt der eroberten Insel. Dann kamen die Vandalen – und zerstörten zahlreiche “moderne” Errungenschaften. Deshalb ist vieles von der alten Römerstadt verschwunden. Die verjagten Stadtbewohner gründeten tiefer im Land, am Rande der Tramuntana, das heutige Pollensa, das sie in Erinnerung an ihre Stadt zunächst Pollentia tauften. Die danach folgenden Mauren taten ein Übriges; sie nutzten die Ruinen des römischen Pollentia wie einen Steinbruch und bauten direkt daneben eine eigene Stadt – auf einem Hügel, was arabisch al Kudia heißt. Das heutige Alcúdia ließ König Jaime II. im 13. Jh. errichten.
